Mit unserem 4-Tages Kitekurs bei Stickl am Gardasee haben wir insgesamt eine ganz gute Wahl getroffen. Mit Kitekenntnissen und Fahrkönnen auf Level 3 des VDWS haben wir uns eine gute Grundlage geschaffen, auf der wir aufbauen können. Dennoch gab es auch den einen oder anderen Punkt, der durchaus verbesserungswürdig ist.

Leistungsumfang 

Angesetzt waren 4 Übungseinheiten auf dem Wasser, von denen dann effektiv 2 stattgefunden haben – der Wind hat leider nicht ganz mitgespielt. Eine Wassereinheit bekamen wir durch eine Wakeboard- und Wasserstart-Session ersetzt, und eine Übungseinheit ist leider komplett ausgefallen. Ergänzt wurde das Ganze um Theoriestunden, die durchaus sehr hilfreich sein können, wie wir im Laufe des Kurses festgestellt haben. Das hat nichts mit trockener Materie zu tun, sämtliche Theorielektionen lassen sich auf dem Wasser umsetzen – sehr förderlich für den Lerneffekt!
Was wir allerdings komplett vermisst haben:
-Schulungsraum mit Video und TV für Schulungsvideos
-Wasserdichte Funktechnologie mit im Helm integrierten Headsets
Damit wird auf der Webseite geworben, gesehen haben wir davon jedoch nichts!

Preis

Bezahlt haben wir für den Kitekurs ca. € 380,- (ca.10h auf dem Wasser, ca. 8h Theorie, verteilt auf 4 Tage)
Im Vergleich zu anderen Kursen im europäischen Raum ist dies ein ganz guter Schnitt. Günstiger werden die Kitekurse, je weiter man wegfliegt (z.B. gesehen in Südafrika: € 20 für eine private Stunde)

Kompetenz

Die Kitelehrer haben durchaus einen kompetenten Eindruck gemacht was ihr Können mit Brett und Schirm anbelangt. Die Theorie wurde auch recht gut vermittelt (wenn auch teilweise leider zu einem falschen Zeitpunkt). Was den praktischen Unterricht angeht, haben wir große Unterschiede zwischen den Kitelehrern feststellen können. Da war von „ich schmeiß dich jetzt einfach ins kalte Wasser“ bis zu stundenlangem geduldigem Erklären alles dabei.
Tip: Sollte man mit einem Kitelehrer nicht zurechtkommen unbedingt ansprechen und am besten Kursgruppe wechseln. Es herrscht ein offenes Miteinander, Kritik wird hier ernst genommen!

Lerneffekt

Nach einer grundlegenden Theoriestunde geht es gleich mit dem Kite aufs Wasser. Wir haben diese Methode als sehr effektives Mittel erlebt, mit der man schnell Fortschritte machen kann. Daumen hoch hierfür!

Material

Geschult wurde mit Top Material: Kites von North, Boards von Spleen – alles auf dem neuesten Stand in einem Top-Zustand. Lediglich die Neoprenanzüge und Schwimmwesten haben einen recht mitgenommenen Eindruck gemacht. Besonders für den Neoprenanzug unsere Empfehlung: nehmt euren eigenen mit, sofern vorhanden!

Betreuung

Die Betreuung war anständig: am ersten Kurstag gibt es einen Kennenlern-Abend, organisiert von der Villa Orizzonte, bei dem auch Kursteilnehmer aus den anderen Hotels teilnehmen können. Während des Kurses auch außerhalb der Kurszeiten war fast immer jemand greifbar, der einem bei allen möglichen Fragen bereitwillig Auskunft erteilte. Und zum krönenden Abschluss gab es dann noch einen Abschiedsabend. Hierüber kann ich leider nichts sagen, den hab ich verpasst!

Tip

Zu guter letzt noch zwei Dinge, die ich jedem ans Herz legen möchte der in Betracht zieht bei Stickl einen Kitekurs zu absolvieren:
1. Unbedingt Villa Orizzonte als Unterkunft buchen – sofern man sich auch nur einigermaßen mit dieser Hotelkategorie anfreunden kann. Grund: Oft ist nicht ganz klar, wann der Kitekurs startet, und man bekommt eine Info-Zeit genannt. Zu diesem Zeitpunkt erfährt man dann entweder den Kursstart, oder eine neue Info-Zeit. Das geht zwar auch telefonisch, aber wenn man gleich im richtigen Hotel ist, geht das Ganze auch entspannter! So lassen sich auch kleinere Zeitspannen zwischen Praxis und Theorie ganz gut überbrücken.
2. Wenn die Anreise nicht zu weit ist: auf jeden Fall mit dem Auto kommen! Rund um Malcesine gibt es jede Menge kleiner Ortschaften, die einen Besuch lohnen – Alternativprogramm für windstille Tage. Ohne Auto ist man bei Stickl ein wenig weit ab vom Schuss und unflexibel.

Wie soll das eigentlich funktionieren, den Kite vom Wasser aus zu starten? Die Frage habe ich mir vor dem Kitekurs gestellt, und habe diese auch öfter von Einsteigern gehört, die Ihren Anfängerkurs an Land absolviert haben. Grundsätzlich gilt wie auch bei einem normalen Start, dass der Kite immer vom Windfensterrand aus gestartet wird. Allerdings kann der Kite nicht in voll aufgebautem Zustand mit auf das Boot genommen werden. Zumindest die Luft der Fronttube muss herausgelassen werden, um den Kite anständig aufs Wasser transportiert zu bekommen. Für einen Wasserstart ist es auch besonders wichtig, den Kite anständig zu packen: auf dem Boot fehlt einfach der Platz hier die Leinen noch einmal neu zu ordnen oder Ähnliches. Idealerweise verfügt der Kitesurfer für den Wasserstart über 2 Helfer: einer, der beim Start assistiert und den Kite in Position bringt, und einen der das Boot steuert.

Startplatz ansteuern: Zunächst wird mit dem Boot der Platz angesteuert, an dem man gerne starten möchte. Man hat hier den Vorteil sich eine ruhige Ecke suchen zu können, an dem einen nicht gleich ein anderer Wassersportler in die Quere kommt (klappt z.B. auf dem Gardasee auch bei vollem Betrieb sehr gut!).

Kite aufpumpen: Nun wird der Kite vollständig aufgepumpt. Dabei wird der Kite von einem Helfer festgehalten, der zweite Helfer hält das Boot in Position.

Boot nach Luv: Das Boot jetzt mit mäßiger Geschwindigkeit im Rückwärtsgang nach Luv lenken, der zweite Helfer wickelt die Leinen von der Bar ab und legt diese nach und nach im Wasser ab. An dieser Stelle unbedingt darauf achten, dass das Boot genügend Geschwindigkeit hat und nicht über die Leinen gefahren wird. (Achtung: Kite festhalten :-) )

Kitesurfer geht ins Wasser: Sind die Leinen vollständig abgewickelt hakt sich der Kitesurfer an der Bar, Chicken Loop, etc. ein und geht ins Wasser. Jetzt immer schön von den Leinen fernhalten!
(Achtung: Kite immer noch festhalten :-) )

Boot abdrehen: Jetzt das Boot abdrehen und auf Kurs am Wind bringen bis die Leinen auf Spannung sind. Damit befindet sich der Kite jetzt am Windfensterrand und kann auf Zeichen des Kitesurfers gestartet werden.

Kite starten: Aber bitte erst nach eindeutigem OK des Kitesurfers!

Nun sollte sich der Kite in der Luft befinden, und je nach Könnerstufe kann mit Body-Drag oder ersten Versuchen auf dem Brett begonnen werden.

Einsteigern kann es passieren. Ein falscher Handgriff oder eine falsche Reaktion, und die Kontrolle über den Kite war einmal. Falsche Einstellungen am Kite können ebenso dafür verantwortlich sein, dass der Kite unkontrollierbar wird. Dies kann gefärhliche Ausmaße annehmen, man wird beispielsweise unkontrolliert und ruckartig durch das Wasser und teilweise unter Wasser gezogen. In solch einer Situation ist es unabdingbar, die richtigen Reaktionen verinnerlicht zu haben. Im Allgemeinen lernt man bei einem Kitesurfkurs drei Maßnahmen, die einem nacheinander in der richtigen Reihenfolge wieder Kontrolle über den Kite gewinnen lassen, oder die es zumindest ermöglichen sich von dem Kite zu lösen.

1. Bar loslassen: Falsches Handling der Bar wie einhändiges Steuern oder zu starker Zug auf den Powerlines lassen den Kite in ungewünschte Richtungen abdriften. Merkt man dass der Kite nicht mehr zu steuern ist, am besten einfach die Bar loslassen. Dies nimmt den Druck aus dem Kite und man kommt wieder aus der Powerzone heraus, der Kite wird kontrollierbar. Achtung: Instinktiv neigt man dazu, die Bar noch weiter zu sich herzuziehen - dies muß man unbedingt vermeiden! Bewirkt genau den gegenteiligen Effekt…

2. Chicken Loop auslösen: Ist der Kite nicht richtig getrimmt kann es passieren, dass die erste Stufe (die Bar loslassen) keine oder kaum Wirkung zeigt. Was nun? Mittlerweile findet man an jeder Bar den sogenannten “Chicken Loop”. Dies ist ein Sicherheitmechanismus, der es erlaubt sich schnell vom Kite zu lösen (quick release), ohne den Kite komplett zu lösen. Eine Sicherheitsleine erlaubt, dass der Kite mehr Spiel hat (und so wieder den Druck im Schirm selbst reguliert) und gleichzeitig aber nicht abhauen kann. Der Kite kann leicht an der Sicherheitsleine wieder herangezogen und eingehakt werden.

3. Leash auslösen: Ist es aus welchen Gründen auch immer notwendig sich komplett vom Kite zu lösen, gint es noch das Quick Release System an der Leash. Löst man diesen Sicherheitsmechanismus aus, so muß man damit rechnen, seinen Kite nie wieder zu sehen! Aus diesem Grund ist es ratsam, dieses Quick Release nur im äußersten Notfall auszulösen. Wer verliert schon gerne 1.000 Euro oder mehr!

Bevor ich den Kitekurs gemacht habe, hatte ich einige Bedenken ob ich das alles konditionell hinbekomme. Wieviel Kraft braucht man um einen Kite zu halten und zu steuern? Welche Körperpartien werden am meisten beansprucht? Fragen über Fragen und keine Antworten. Mit gesundem Selbstvertrauen und Ehrgeiz bin ich das Kiten dann trotz aller Bedenken angegangen. Dazu muß ich sagen dass meine sonstigen sportlichen Aktivitäten quasi null sind. Abegesehen von sporadischen (und wetterabhängigen) Snowboard-Ausflügen und Inline-Skate Touren. Trotzdem möchte ich behaupten, dass meine Kondition nicht die schlechteste ist.

Beim Kiten selbst war ich dann relativ überrascht wie wenig Kraft man tatsächlich braucht! Mit Technik und Super-Material ist das fast schon ein Spaziergang ;-) Beim Body Dragging allerdings werden Hals- und Schultermuskulatur schon etwas beansprucht, ich hatte einen schönen Muskelkater! Achtung: ich habe das Kiten per Wasserstart gelernt, d.h. ich habe keine Strandspaziergänge inklusive Material oder ähnliches machen müssen! Zum Wasserstart ist noch zu sagen, dass Rückenprobleme eher ungünstig sind: man wird mit einem kleinen Motorboot aufs Wasser rausgefahren, und je nach Wellengang, Fahweise und Position auf dem Boot (weiter hinten ist es immer angenehmer!) kann es einen schon ganz ordentlich die Wirbelsäule stauchen. Ich habe KEINE Rückenprobleme und fand es schon sehr unangenehm! Alles in allem ist das Kiten mir einer allgemein guten körperlichen Verfassung ohne Probleme zu erlernen.

Diese Aussage beziehe ich lediglich auf das kiten LERNEN, wie anspruchsvoll dauerndes Kiten mit dem Kite ständig in der Luft und dem Brett für längere Strecken unter den Füßen tatsächlich ist, darüber kann ich (leider) noch nichts sagen. Dies wird an dieser Stelle noch ergänzt, wenn ich soweit bin!

Jetzt war es schon soweit: der 4. Und letzte Tag unseres Kitekurses war angebrochen und ich hatte mir viel vorgenommen! Leider mußte ich an diesem Tag alleine zum kiten antreten – naja, nicht ganz alleine, nur Psiu ist aufgrund des „Unfalls“ am Vortag leider ausgefallen :-( Aber mein Ehrgeiz läßt es auch nicht zu, aus Solidarität im Hotel zu bleiben! Ich will aufs Wasser! Dieser „dumme“ Kite muß doch irgendwie in den Griff zu kriegen sein – auch in Kombination mit Board!

Ich hatte Glück: super Wind! Anfangs sogar so viel, dass mein Kitelehrer mich nicht aufs Wasser gelassen hat. Wäre allerdings auch schwierig geworden, 4 von 5 Kites waren nicht richtig gepackt und ließen sich beim besten Willen nicht starten. Durchgeschlagene und verdrehte Leinen – zum heulen! Als alle anderen Kursteilnehmer dann doch irgendwie aufs Wasser gebracht waren, kam auch ich ENDLICH an die Reihe! *juhu* Doch auch mein Kite mit überkreuzten Leinen. „Macht nix, geht trotzdem!“ ist zwar aufreibend für das Material, aber der Steuerbarkeit tut das keinen Abbruch. Mein Kitelehrer hat natürlich recht behalten. Den Kite hatte ich trotz der verdrehten Leinen super im Griff. Nur einmal ist er nahezu auf 12 Uhr einfach in sich zusammengefallen und einfach vom Himmel gerauscht…warum auch immer! Ich war nur froh, dass das Ding mir nicht auf den Kopf geknallt ist und ich von den Leinen wegbleiben konnte. Ich glaube ich „durfte“ noch 2 Stunden Bodydraggen (ich bin jetzt Weltmeister darin ;-)) bevor ich endlich ein Board bekam und meine ersten Surfversuche hinlegte. Das hat dann auch sehr schnell ganz gut geklappt. Mein Kitelehrer war so begeistert: selbst als der Wind sehr nachgelassen hatte und mir der Kite böse abgestürzt ist (mit einem lauten Knall ist das Ventil der Front Tube aufgegangen und der Kite hat Luft gelassen) hat er ihn noch einmal auf dem Boot aufgepumpt und ihn mir erneut gestartet.

Die ersten gefahrenen Meter sind ein Wahnsinns-Gefühl! Wie man regelrecht aus dem Wasser gehoben wird und das Gefühl hat, den Kite zum ersten Mal so richtig zu kontrollieren…macht irre Spaß! Und wenns am schönsten ist, dann soll man aufhören. Oder man muß weil der Wind weg ist :-(
Aber nach so einem Tag nicht ganz so schwer, war schließlich auch anstrengend!

Am Nachmittag dann wieder Theorie: Wiederholung der Grundregeln, Vorfahrtsregeln, Ausweichmanöver, etc. Braucht man alles für den Theorieteil (mit Prüfung!) einer Kitelizenz. Das Ergebnis unseres Kitekurses kann sich sehen lassen: VDWS Kite-Lizenz Level 3! Und das obwohl eine Kite-Wassereinheit komplett ausgefallen ist. Die wollten wir dann eigentlich am Freitag noch nachholen, nur da hat uns dann leider der Vento ein Strich durch die Rechnung gemacht…

Der dritte Tag unseres Kite-Kurses fing wie erwartet an: früh aufstehen, das ganze Material aus der Kitestation gepackt und ab zum Boot. Wind war an diesem Tag kein Thema – genug, aber nicht zuviel. Hundemüde und noch kaputt von den Anstrengungen des Vortags fuhren wir mit dem kleinen Motorboot raus auf den See und ab ins Wasser. Aber gleich der erste Kite mit meiner besseren Hälfte machte Zicken. Selbst der Kitelehrer hat erst viel zu spät erkannt dass die Leinen durchgeschlagen waren und der Kite für die Windverhältnisse und das Fahrkönnen komplett falsch getrimmt war. Und das endet dann so: der Kite zieht hoch, läßt sich nicht steuern und rutscht ab in die Powerzone. Ab geht die Post! Psiu wird von dem Kite erst hochgerissen und dann mit dem Wind mehrere Meter übers Wasser geschliffen, taucht dann abrupt mit dem Kopf voran in den Gardasee. Kaum an der Wasseroberfläche und nach Luft geschnappt geht das Spielchen von vorne los: der Kite startet erneut durch, reißt Psiu schräg nach vorne und mit einem lauten Klatschen landete er rücklings auf dem Wasser, der abgestürzte Kite dümpelt scheinbar friedlich vor sich hin. War es das jetzt? Ja, zum Glück gibt es Quick Releases an allen festen Verbindungen. Das hätte böse ins Auge gehen können! Sah auf jeden Fall sehr spektakulär aus ;-)

Der Kite hatte sich unseren Respekt verschafft, noch mehr als schon zuvor. Dementsprechend zaghaft sind die nächsten Flugversuche auch ausgefallen – das war zumindest die Meinung unseres Kitelehrers. Von unserer Seite aus: es haben einfach die Anweisungen und Tips gefehlt, um mit dem Kiten wirklich voranzukommen. Da hat es sich dann doch bemerkbar gemacht, dass insgesamt 6 Anfänger und ein paar Fortgeschrittene dabei waren – bei 2 Kitelehrern, die gleichzeitig noch das Boot gesteuert haben. Vermisst habe ich an dieser Stelle auch die versprochene Funkschulung, die es leider gar nicht gab. Nach wenigen zaghaften Lenkübungen, die von außen auch eher unkontrolliert ausgesehen haben müssen, gab ich entnervt auf. Genug für heute! Dem einen oder anderen Kursteilnehmer ging es ähnlich.

Die Aufklärung folgte am Nachmittag bei der Theorie. Alles was uns an diesem Tag wirklich weiter gebracht hätte, oder es uns zumindest leichter gemacht hätte, lernten wir NACH unserer Wassereinheit. Wie sieht die Startkurve für den Wasserstart genau aus? Wie muß ich den Kite fliegen um genug Power zu bekommen? Was mache ich eigentlich wenn ich den ersten Meter auf dem Brett gestanden bin? Und überhaupt, warum zur Hölle bin ich eigentlich am Vormittag nach jedem Start wieder ins Wasser gefallen??? Wir lernten die häufigsten Fehler, und bei nahezu jedem hörte man von einem Kursteilnehmer ein Aufseufzen „ach so geht das!“ oder ein heimliches Grinsen, das genau erahnen lies, dass jeder von uns schon seine eigenen Erfahrungen mit einem „typischen“ Fehler gemacht hatte. Das war definitiv die falsche Reihenfolge von Theorie und Praxis!

Das Warten hat sich gelohnt! An Tag 2 konnten wir in aller Frühe raus aufs Wasser. An anderen Spots erfolgen erste Flugübungen mit dem Kite an Land, nicht so am Gardasee. Hier fehlt einfach der Platz. Wir wurden wortwörtlich ins kalte Wasser geschmissen – mit Kite. Die ersten Flugversuche haben wir immer zu zweit gestartet, das „Anhängsel“ am Trapez habe ich als nützliche Bremse empfunden, wenn der Kite versehentlich zu weit in die Powerzone abgerutscht ist. In dieser Zone ist der Kite gerade für Einsteiger noch schwer zu kontrollieren. Prompt ist meinem Kite-Partner der Kite auch ordentlich vom Himmel gerauscht und mit einem lauten Knall im Gardasee gelandet! Dabei hat sich eine der Steuerleinen gelöst (glücklicherweise war das schnell behoben) – und seitdem verstehe ich WIE gefährlich die Kite-Leinen sein können. Die Grundregel nie in die Leinen zu schwimmen und auch immer schön Abstand zum Kite zu halten werden einem zwar vermittelt, doch der Ernst dieser Lage ist mir erst in dieser Situation bewusst geworden: die gelöste Steuerleine hatte sich innerhalb weniger Sekunden mehrfach um meine Beine geschlungen und in meiner Roll-Leash verhakt! Ich habe die Leine auch erst mit Unterstützung vom Boot lösen können. Kleiner Adrenalin-Schub am frühen Morgen!

Und schon folgte das nächste Problem. Bei dem Absturz ist der Kite „auf den Rücken gefallen“ und lag mit der Leading Edge am Wasser – was nun? So lässt sich der Kite unmöglich starten! Tip von unserem Kite-Lehrer: nach Luv schwimmen und die Leinen auf Spannung bringen. Jetzt in die Powerleinen greifen und den Kite „aufpumpen“ (zieh die Leinen kräftig zu dir her, loslassen, und das ganze mehrmals wiederholen). Wenn du nicht ganz großes Pech hast dreht sich der Kite sehr schnell wieder um und kann neu gestartet werden.

Trotz dieser anfänglichen Probleme haben die ersten Flugübungen und das Body-Dragging zu zweit schon wahnsinnigen Spaß gemacht. Man wird ohne große Kraftanstrengung teilweise recht rasant durchs Wasser gezogen! Kann ich nur weiterempfehlen…

Leider war der gute Vento doch recht schnell wieder verschwunden und wir mussten nach nur knapp zwei Stunden auf dem Wasser wieder einpacken. Insgesamt also doch ein eher kurzes Vergnügen. Als Entschädigung dafür, und da die Ora wieder nicht eingesetzt hatte, sind wir am Nachmittag trotzdem noch mal aufs Wasser – wenn auch ohne Kite. In zwei Gruppen mit zwei Booten waren wir Wakeboarden bzw. (ich nenn es jetzt mal) Kite-Boarden. Sinn und Zweck der Übung war der Wasserstart, mit dem Wakeboard für die Geübten, und mit einem Ausleger-Boot und Trapez für die weniger Geübten. An dieser Stelle möchte ich als Wakeboard-Versager (das wusste ich bereits vor dem Kurs) betonen, dass das Kite-Boarden eine kinderleichte Übung ist! Nach dem dritten Versuch kann man (bzw. konnte ich!) bereits lässig neben dem Boot cruisen ;-) Ein Super-Erfolgserlebnis! So haben wir Tag 2 unseres Kite-Kurses mit einem guten Gefühl und mit Spannung auf Tag 3 abgeschlossen.

Wer sich entschieden hat einen Kitekurs zu machen hat die Begeisterung und Faszination für diesen Sport meist schon länger für sich entdeckt. Umso mehr Geduld ist gefordert, wenn man als Einsteiger am ersten Kurstag zunächst „nur“ das Material und den richtigen Umgang damit kennen lernt. So ist es zumindest mir ergangen. Mit der leisen Hoffnung im Laufe des Tages vielleicht ja doch noch auf’s Wasser zu kommen habe ich mir geduldig die theoretischen Grundlagen zu Gemüte geführt. Viele Details benötigt man, um später nicht vollkommen hilflos dem Wind und dem Kite ausgesetzt im See zu paddeln.

Steuerleinen, Powerlines, Front Tube (Anmerkung: wir haben mit 4- und 5-Leinern Tube-Kites gelernt), Straps, Leading Edge, Bar, Adjuster, Chicken Loop & Chicken Stick und Quick Release System – jede Menge neuer Begriffe die einem erst mal im Kopf herumschwirren und zugeordnet werden wollen! Und das war erst der Teil vom Kite an sich. Am „Mann“ gibt es ähnlich viel zu lernen über Neoprenanzüge, Trapez, Leash und Roll-Leash, Prallschutzweste, Helm und Board.

Doch damit nicht genug: Die ganze Ausrüstung muß ja auch noch richtig gepackt und mit aufs Wasser genommen werden. Also logischerweise der nächste Schritt: Wie packe ich einen Kite? An dieser Stelle heißt es gut aufpassen, denn sitzt auch nur ein Handgriff nicht richtig kann es passieren dass der Kite nicht gestartet oder gesteuert werden kann – und die ganze Plackerei war umsonst!

Nachdem wir den theoretischen Teil hochmotiviert abgearbeitet hatten, hieß es ab auf’s Wasser! Endlich! Umso größer war dann die Enttäuschung als der Kitelehrer auf dem See mangels Wind abgebrochen hat ohne dass wir auch nur annähernd einen Kite gestartet hätten.

Aber wir sind ja flexibel: zurück zum Hotel und noch mehr Theorie am Pool. Wir haben das Windfenster kennen gelernt, für das Kiten günstige/ungünstige Windbedingungen und mit dem Kite mögliche Fahrkurse. Alles sehr interessant, aber nichts gegen meine Neugier auf die ersten praktischen Versuche. Es folgte das Warten auf Tag 2 und das Hoffen auf den Wind.

Das Sporthotel Stickl findet man auch unter dem Namen “Villa Orizzonte”. Was erwartet einen hier? “Sporthotel” läßt großes vermuten, doch wird das Hotel nicht den Erwartungen des deutschen Standards eines Sporthotels gerecht. Die üblichen Fitness- und Saunalandschaften sucht man vergeblich. Fairerweise muß man aber sagen, dass zwei (italienische) Sterne für die Villa Orizzonte schon realistischere Erwartungen wecken. So haben wir im Sporthotel Stickl, oder auch Villa Orizzonte, eine sehr heimelige und freundliche Unterkunft gefunden. Zugegeben, die Zimmer sind recht klein und einfach (immerhin mit Klimaanlage), dafür bietet sich auf der Terasse/auf dem Balkon ein wunderschöner Ausblick auf den Gardasee. Ein dicker Pluspunkt war auch das WLAN. Für 10€ kann man (mit dem eigenen Laptop) die ganze Woche im Internet surfen.

Der (Wasser-)Sport steht in diesem Hotel ganz klar im Vordergrund: Segeln, Windsurfen, Kitesurfen oder Biken, mit oder ohne Kurs lassen einem nur wenig Zeit sich in dem kleinen Zimmer beengt zu fühlen. Und sollte es doch mal zu eng werden, so kann man sich in dem großzügigen Wohnzimmer zum gemütlichen Plausch zusammensetzen. Hier steht dann auch der einzige Fernseher der gesamten Anlage; Streit um das Programm gibt es allerdings selten: in der ganzen Woche die wir dort waren lief der TV nur ein einziges mal, und da wollten alle Fußball sehen!

Neben dem Wohnzimmer ist der Pool bzw. die Poolbar DER Treffpunkt. Hier lernt man schnell und unkompliziert andere (meist deutsche) Hotelgäste kennen.

FAZIT: Ein einfaches, sehr familiär geführtes Hotel in dem man sich wohlfühlen kann - nur wer Luxus sucht ist hier fehl am Platz!

Ich war eine Woche im Einsteigerkurs am Gardasee. Der Vento ist der Nordwind und die Ora ist der Südwind am Gardasee. Der Vento kommt in der Früh und die Ora sollte Nachmittags kommen. Wir waren von Montag bis Freitag und sollten Glück haben, da der Vento Montag bis Donnertag kam. Nur am Freitag hat er eine Pause gemacht. Es soll nicht heißen das kein Wind war nur zum Kiten braucht mann schon mindestens 3-6 Windstärke. Windstärke 3 ist schon schwach. Von anderen Kursteilnehmer ein Woche vorher haben weniger Glück und der Vento kam nur 2 mal in der Woche. Jetzt kommen wir zum Traum von der Ora. Wer denkt er kann am Gardasee Vormittags und Nachmittags kiten ist im Irrtum. Wir haben die Ora in der Woche nicht einmal gesehen. Die Ora war natürlich schwach da mit Windstärke 1-2, das aber nicht zum Kiten reicht. Wenn der Vento in der Früh nicht da ist, fällst das Kiten am Gardasee für den Tag aus. Der Vento kam bei uns aber regelmäßig, so das der Nachmittag für andere Aktivitäten genutzt werden kann.